Tagebuch / Umbau

27.04.2011
sigi
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Antwerpen 1999 ... Der Lebensretter Der Sonne entgegen…........hatte ich zumindest gedacht. Aber dann sind wir dort gestrandet. Ja, regelrecht, und mussten Zeitarbeitsjobs finden, denn erst gingen die Masten zu Bruch und spaeter, im offiziellen Hafen, blies uns ein 2000PS Binnenfahrer das Wasser unter dem Schiff weg, d.h. vom Ansaug der Kuehlung, gerade als der Generator lief und ich das -immerhin im Hafen verbotene- Manoever, das draussen vor sich ging, nicht gehoert hatte, weil ich im Maschinenraum war und nur wegen der extremen Bewegungen hoch ging um zu sehen, was los war. Die hoerten aber auch nicht auf, ihre Maschinen voll Power laufen zu lassen, nur das Ruder, das gegen uns (immerhin kurze Distanz) gerichtet war, veraenderte der Schiffer als er mich sah, aber er grinste sich eins. Da wars schon passiert. Der Generator war trockengelaufen. Sie schalteten die Maschinen ab und just einen Augenblick spaeter kam die Wasserpolizei ins Hafenbecken gefahren. Ich war so genervt, dass ich rueber ging und den Vorfall schilderte, doch bei denen gingen sofort die Schotten dicht: “das waere doch nicht beweisbar und was sollten sie tun, ausserdem wuerde es sehr lange dauern, bis ich mein eventuelles Recht vor Gericht durchsetzen koenne”. Die Jungs wollten einfach nur ihre Mittagspause in Ruhe machen. Ich hatte da schon einen ersten Eindruck von dem, was mich die naechsten zehn Jahre erwartete. – Antwerpen kannte ich vorher, wir sind oefter dorthin gefahren, wenn wir etwas brauchten. Als wir allerdings prueften, ob das Schiff noch eingetragen stand und die Ausschreibung aus dem Register anleierten, bekam ich die volle Absurditaet beamtlichen Denkens zu spueren. Einerseits war das ja richtig, andererseits und unter den Umstaenden, weil es mehr oder weniger um ein einhundert Jahre altes Wrack ging, voellig absurd. – Nie hatte ich vermutet, dass diese Stadt, dieses Land, so lange mal mein erzwungenes Domizil werden sollte. Es lag nicht im Plan. –  Das Anschaffen von Geraeten, Apparaturen oder sonstigem Material war etwas, womit ich zu dem Extent auch nicht gerechnet hatte, denn er hatte ja schon RadioEquipment, auf das er sehr stolz war, weil es professionelle Geraete waren. Doch waren sie outdated als wir sie anmelden wollten. So fiel ich oft von einem Entsetzen ins andere. Das wuerde auch noch ne Weile andauern, noch gesteigert durch die Erfahrungen, die ich mit belgischen Behoerden machen musste, allerdings auch mit den mir vermittelten Lebensumstaenden, die eigentlich christliches Denken auf den Kopf stellten. – Die Kosten waren immens, entschieden hoeher als besprochen. Unser eigenes Kapital war schon bei Grundanschaffungen drauf gegangen, obwohl wir zusammen doppelt soviel hatten, als er am Anfang von ausgegangen war. Und das Kapital der Bank reichte bei weitem nicht, war sowieso von Anfang an nicht, wie ich gewollt hatte; sie hatten sich geweigert und wir waren schon zu sehr involviert als dass ich nicht alles daran gesetzt haette, die Sache durchzuziehen. So langsam begann sich mein politisches Gefuege zu entwickeln, ich begann mehr als vorher auf Zusammenhaenge zwischen politischen Entscheidungen, wirtschaftlichen Entwicklungen und meinen eigenen Eingebungen zu achten. Zwar hatte ich in 1998 eine schier unglaubliche Erfahrung gemacht, aber die schuechterte mich noch ein und machte mich unentschlossen, aber sie hatte letztlich das ganze Konzert hier ausgeloest, doch meine anerzogenen `Werte von Christlichkeit loesten immer wieder innerliche Konflikte aus. So konnte man einfach keine Existenz gruenden, ich ahnte damals aber, dass die Zeit kommen wird, die zurechtstutzt, Laender auf den Kopf stellt, politische und wirtschaftliche Bedingungen vorfuehrt. Ich hatte einen Existenzgruendungskredit beantragt und war mit meinem Konzept bei den Banken unserer Waterkant abgelehnt worden, “wir seien zu klein und die “Muehe”nicht wert”; man verwies immer wieder auf Hausbanken. Das hatte geklappt, wieder aufgrund einer Vision, nachzulesen hier, aber nicht zu ERP- etc-Bedingungen. – Und dann das hier: gestrandet in dem kleinen Belgien in Antwerpen auf der Durchreise in den Sueden. Meinem aelteren Sohn ging es auch nicht gut, der juengere biss sich durch. Nachdem er nach seiner Ausbildung bei Hoechst sofort eingezogen worden war, ohne die Chance zu haben, in seinem neu erlernten Beruf Fuss zu fassen, gings nach den vier Jahren bei der Bundeswehr auch einfach nicht weiter. Das Arbeitsamt hatte sich sehr lange Zeit geweigert, eine Umschulung zu gewaehren, obwohl Hoechst inzwischen nicht mehr existierte, jedenfalls nicht in Deutschland. Der Beruf war auf Anforderungen von Hoechst zugeschnitten. Berufsbilder, entwickelt und begruendet von Anforderungen der Industrie taugen nichts, sie orientieren sich nicht an vorhandenen Talenten und Faehigkeiten, nicht an menschlichen Beduerfnissen. Waere es nicht Gott Selbst gewesen, der mich auf diesen Weg gebracht hat, haette ich schon lange vorher, schon in Harlingen, das Handtuch geworfen. Aber ich durfte nicht. Und hatte so stark und unverwechselbar mit zwei einander entgegen gestellten Kraeften zu tun, die man einfach nicht verleugnen konnte. Dieser Weg war vorbestimmt und wuerde in was-weiss-ich-fuer Entwicklungen fuehren. Jetzt waren sie endlich angekommen, mein Aeltester und meine Mutter und wollten sich ansehen, wie wir inzwischen lebten. Es hatte sich einiges getan, wenn auch noch ziemlich roh. Waende waren eingezogen, Raeume existierten und Betten waren zum Teil gebaut. Es gab bereits unser Bad und auch das zweite sah schon recht gut aus. Fuer beide war eine bequeme Kabine mit Schrank und Bett vorhanden. Alles war klein, aber dafuer war das Haus beweglich, konnte mitgenommen werden. Das Straatsburgdok war nicht das schlechteste, trotzdem lagen hauptsaechlich alte, verwahrloste Kaehne dort. wir lagen neben zwei rot gestrichenen ehemaligen Duwern, die unbewohnt dort geparkt waren und ueber deren Seitendecks man bequem bei uns an Bord gelangen konnte, selbst wenn man nicht sehr sportlich war. Das ganze Dok, eigentlich eine breite Durchfahrt mit Uebernachtungsplaetzen, war auch auf der Kade verwahrlost, weil nicht nur ausrangierte Schiffe hier lagen, teils bewohnt, sondern dort jeder, dem es einfiel, neben einer schon sehr grossen staedtischen Abfalltonne alles, was entsorgt werden muesste, einfach daneben deponierte. Alte Matratzen genauso wie verfaultes Gemuese, die die Leute meist nach Einbruch der Dunkelheit abluden, denn erlaubt war es nicht. Um dieser Schweinerei Einhalt zu gebieten, wurde spaeter eine Kamera installiert, aber das nuetzte ueberhaupt nichts. Dennoch gab es nicht nur Schrott und Gestank, es wurden merkwuerdigerweise selbst wertvolle Dinge einfach dort abgeladen, wie einige Tage nacheinander immer wieder Puppen, die ich jeweils fand, wenn ich unseren Muell in die Muelltonne brachte. Da sie neu aussahen, wenn auch verdreckt und schmierig, nahm ich sie mit, saeuberte sie und machte ein paar Puppenkleider. Den ganzen Schwung, es waren einige, und alle Babypuppen, brachte ich kurz vor Weihnachten in eine Pfarrei, der ein Kinderheim angeschlossen war. Ein Stueck weiter lagen mehrere Binnenschiffe, die, wie gesagt, nicht mehr in Fahrt waren. Es lebten einige aeltere Leute darauf, Mann und Frau, Walonen, aber jeder auf seinem eigenen Schiff. Die Frau hatte auf ihrem eine Art Garten angelegt, spaeter sah ich, dass sie einen Verschlag darauf errichtet hatten und darin hielt sie eine Ziege. Eigentlich waren sie nett, auch wenn mich ihr Aussehen zunaechst etwas erschreckte, beinahe zahnlos und etwas zigeunerhaft kamen sie mir nicht gerade vertrauenswuerdig vor. Ich irrte mich allerdings. Der Mann hatte einen grossen schwarzen Kampfhund, an dem man nur ungern vorbei ging, obwohl er in ziemlicher Hoehe vom Deck des Schiffs auf einen runterbarkte. Auf unserer anderen Seite in der Kurve lag ebenfalls ein Binnenschiff mit einem grossen Karavan darauf, in dem die Leute hauptsaechlich wohnten. Der Generator lief fast ununterbrochen ziemlich laut, und selbst die ganze Nacht hindurch, wenn irgendwas im Fernsehen interessant war, dass die Nachbarin davor sitzen blieb. Sie waren ehemalige Binnenschiffer, die aufgegeben hatten, weil die Tonnage ihres Schiffes nicht mehr gefragt war. Er arbeitete irgendwo als Leiharbeiter, auch sehr nette Leute. Diese vom unbeeinflussbaren Leben, und den raffgierigen Fehlern von Politik und Wirtschaft verursacht zusammengewuerfelte kleine Gemeinde war jetzt unsere Nachbarschaft. Ich hatte mich an so manches zu gewoehnen. Ich ging nach unten um Kaffee zu machen fuer einen gemuetlichen Nachmittagsplausch bei Kuchen und Kaffee. Mein Partner wollte endlich in den Mast um sich die Stenge anzuschauen, die schon seit einem Jahr am oberen Ende mehrwuerdig nach vorn gebogen war. Mein Sohn sicherte ihn mit dem Seil, denn ueber die redlines ging es noch nicht. Es gab einen fuerchterlichen Schlag, der sich unten in der Kombuese anhoehrte, als seien Bomben aufs Deck gefallen. Ich hoerte meine Mutter schreien und rannte nach oben. Sie stand in der Tuer und war voellig fassungslos. Sie wusste nicht, was eigentlich passiert war, denn sie hatte im Salon gesessen und gelesen, hoerte diesen Krawall und sah, dass die beiden Maenner nicht mehr da waren, aber jede Menge Holz auf Deck herumlag. „oh Gott“ rief sie dauernd, „das ist ja wie im Krieg“. Ich rannte raus und um das Deck herum, da hoerte ich meinen Sohn, der rief, dass Jim verschwunden sei als alles runterstuerzte, er wisse nicht wo. Wir rannten um das Deck, auf der Steuerbordseite hingen die Stahlseile runter ins Wasser. Da sprang Thorsten in das hellgruene Wasser und tauchte runter, kam sofort wieder hoch um Luft zu holen. Er rief “Jim ist unten in Takelage verhakt ohnmaechtig”. Es waren etwa 2 Meter oder etwas mehr. Immerhin nicht am Grund. Mein Verstand weigerte sich einfach, zu begreifen und ich wollte zum Nachbarn rennen wegen Hilfe, da sah ich den schon angelaufen kommen, er hatte es von seinem Karavan aus beobachtet. Thorsten war inzwischen wieder in das truebe Wasser des Doks runtergetaucht und kam nach einer kurzen Weile mit Jim im Schlepp wieder hoch. Er hatte es geschafft, ihn zu befreien und schleppte ihn zum Rand der beiden Schubschiffe. Der Nachbar war auch angekommen und gemeinsam zogen die beiden Maenner Jim hoch und drehten ihn auf die Seite um eventuelles Wasser aus den Lungen zu bekommen. Thorsten hatte ihn wieder auf den Ruecken gelegt und machte Wiederbelegungsmassagen. Erst geschah nicht viel, doch dann kam Jim benommen zu sich. Er richtete sich sofort auf und uebergab sich, ich wollte die Ambulanz rufen, hatte aber kein Telefon und in der Naehe war nichts. Ausserdem hinderte Jim mich daran, als er fuer einen Moment klar genug war. Er wollte nur kurz sitzen, dann wuerde er wieder fit sein, sagte er und fiel direkt wieder in eine Art Starre. Wir waren entsetzlich besorgt und wollten ihn wenigstens in den Salon bringen, bekamen ihn aber nicht mehr hoch. In meiner Angst schrie ich ihn an „in Christs name, come by, be whole“ mir liefen die Traenen die Wangen runter und ich schuettelte ihn und gab ihm eine Ohrfeige. Da schuettelte er sich, stand auf und liess sich von uns in den Salon und nach unten in unsere Kabine bringen. Er lehnte einen Arzt konsequent ab, wolle nur ein oder zwei Stunden schlafen, dann sei er wieder okay. Wir wussten nicht, was wir noch haetten tun sollen, aber ich ging alle paar Minuten nach unten, nur um festzustellen, dass er in der Tat fest und tief eingeschlafen war. Und wirklich, am naechsten Morgen war er wieder voellig in Ordnung als sei nichta gewesen. Er begann das Deck aufzuraeumen. Dabei jammerte er dauernd ueber die Masten, an denen ich so unendlich viel Arbeit hatte, als ich sie herstellte. Die Masten waren mir ziemlich egal und erst nach langer Zeit, als wir schon dabei waren, nach geeignetem Material aus Stahl zu suchen, um sie zu ersetzen, ging mir auf, dass ich da tatsaechlich einiges geleistet hatte. Mein Sohn und meine Mutter waren nach der Woche wieder abgereist, aber froh, das alles so glimpflich abgelaufen war.
04.02.2011
sigi
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Bucht der Engel - 1995/6        Capelle a/d Ijssel Der Nebel war so dick, dass man den Vormann nicht erkennen konnte. Nicht mal die Rücklichter, und das Nebellicht war als verwaschener, rötlicher Fleck ohne Zugehörigkeit. Es war gespenstig. Es erinnerte mich an zwei, nein drei andere Gelegenheiten, an denen ich unterwegs war, gefangen in einer Suppe, die keine Orientierung zuließ. Selbst die Strassenschilder konnte man erst im allerletzten Moment erkennen und mußte  anhalten, wollte man lesen, was darauf stand. Ich hatte keine Ahnung wo ich war. Endlich war es uns gelungen, wenigstens dieses Schiff, mehr ein Wrack, zu bekommen.  Dieser ominösen Ruitenberg, Objekt der Begierde meines Partners, war nicht beizukommen gewesen. Trotz einer abenteuerlichen Fahrt quer durch Holland mit  vielen telefonischen Anweisungen durch den Makler. Er hatte das Schiff zwei Schiffern anvertraut, die es nach Friesland bringen sollten, kurz vor seiner Abreise nach Indonesien. Wir standen in Verbindung mit ihm und erhielten seine Anweisungen telefonisch. Die Ruitenberg war nicht mehr an ihrem Anleger. Immer wieder mussten wir anrufen und er sich vergewissern, wo es denn jetzt eigentlich sei. Es waren ziemlich dubiose Anweisungen, weil er es auch nicht so genau feststellen konnte. Lediglich die Destination, die er vorgegeben hatte und so verfolgten wir die mögliche Route, ohne Erfolg. Es blieb verschwunden. Wir machten merkwürdige Bekanntschaften an den Stellen in Friesland, wo es vorübergehend hätte untergebracht sein können. Man kann nicht direkt sagen, dass die feindlich waren, aber man merkte, dass "man" etwas wusste, dies aber nicht preisgeben wollte. -  Es stellte sich heraus, dass sie selbst an dem -eigentlich einem Wrack- Schiff interessiert waren und sie benutzten die Abwesenheit des Maklers es auf Umwegen verschwinden zu lassen. Allerdings, als der Makler wieder zurück war, stellte er fest, dass der von ihm geforderte Betrag auf seinem Konto eingegangen war. - Wir hatten das Nachsehen und so begann die weitere Suche "nach unserem Schiff". Das heisst, es blieb mir überlassen, denn "er" war mit seinen diversen Projekten auf Mallorca beschäftigt, wo er für private Boots-Eigentümer entweder Unterhalt betrieb oder Umbauten vornahm. Ich fragte mich oft, was mich geritten haben könnte, mich auf so ein Unternehmen einzulassen. Nun, eigentlich war es ja keine Frage, denn das wusste ich nur zu gut. Aber es liess sich nicht wirklich "fassbar" verkaufen. Tatsache war, dass ich seit meiner Rückkehr aus Süd-Afrika von einem langjährigen Aufenthalt dort, zwar immer gute -sogenannte gute- Jobs ohne weitere Probleme fand, aber es waren auch immer solche, die an die Substanz gingen. Zwar war ich "nur" Sekretärin und Übersetzerin einer Geschäftsleitung, eingangs auch indirekt für die Regierung, Forschungsministerium,  im wissenschaftlichen Büro des Weltwirtschaftsgipfels tätig, aber immer waren es Jobs, die an die Substanz gingen und die die Familie ungemein vernachlässigten. Mussten, es ging nicht anders. Ich empfand eine späte Einsicht in die Umstände, denen Männer allgemein ausgesetzt waren. So wirklich karrieresüchtig war ich nicht und wurde im Laufe der kommenden 10 Jahre gründlich davon gereinigt. Denn ich fragte mich, "was" es eigentlich wert ist, so etwas zu machen. Natürlich gings um Geld. Einkommen. Soviel verdiente man in dem Beruf dann nicht um die grosse Belastung, vor allem auch der vielen Streitereien unter Abteilungen gepaart mit der unverhältnismässigen Selbstbeteilung der Regierung in Form von Steuerabgaben als alleinerziehende Mutter zweier Heranwachsender wegstecken zu sollen. Oder können. Mehrfach musste ich meinen Urlaub hinten an stellen, auch wenn die Buchung von der Geschäftsleitung übernommen wurde. Das hält man nicht oft aus. Und so fiel ich dann doch so auf die Nase, dass mir dringend geraten wurde, etwas anderes zu machen. - Dazu kamen Erlebnisse übernatürlicher Art, die mich in die dann eingegangene Richtung umleiteten. - Nicht ohne grosse Schmerzen. Unser Wrack sollten wir endlich in der "Bucht der Engel" bei denBosch finden. Es war wirklich ein  Wrack, wenn auch "oben" schwimmend und gehörte einem Mann, der schon sehr lange in dieser abgelegenen, ein wenig gammeligen Bucht auf ihm wohnte. Mit ihm noch einige andere auf deren ehemaligen Binnenvardern oder sonstigen Schiffs-Typen. Als ich davon erfuhr, hatte ich es schon zuvor in der Nacht "gesehen". Es war abenteuerlich über ehemals schwimmende Stege zu balancieren, die mehr unter Wasser und überwuchert von teils dichtem Pfalnzenbewuchs eine äusserst schwankende Angelegenheit waren. Dann musste man an einem brüchigen und wurmstichigen ehemaligen Dalben hochklettern. Zum Glück gab es Reste von Leitern und hochgestellte Paletten, die jemand dort festgebunden hatte und mit einem beherzten Sprung landete man auf dem Deck. Nachdem die erste Begehung geklärt war, und ich überhaupt nicht wusste, was mir da alles erzählt worden war, schon gar nicht mehr, wie sich die Gegend eigentlich nannte, war das Zurückfinden zum Vertragsabschluss dann nochmal ein merkwürdiges Ereignis.
27.01.2011
sigi
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Im Spätsommer 1994: Mallorca, Perle des Mittelmeeres Das Ganze begann auf eine nicht alltägliche Weise. Das kleine Loft war so stickig, dass man aus dem Fenster hätte springen wollen. Das hieße dann aber die Balkontür zu öffnen. Damit würde der jetzt schon unerträgliche Krach, der durch die geschlossene Tür drang, noch schlimmer werden. Das Hotel auf der anderen Seite der Ravine schien es sich zur Aufgabe zu machen, den Rest des Ortes kostenlos mit zu beschallen. Was tun? Ich erinnerte mich an andere südliche Gestaden; allerdings unter dem Kreuz des Südens. Wie anders war das gewesen. Wenn die Nacht hereinbrach war sie schwarz, besetzt mit unzähligen funkelnden Sternen, die Zikaden zirpten zwischen ausgetrockneten Gräsern und die Luft war vom Duft Afrikas erfüllt.  Die Brandung des Indischen Ozeans rauschte an goldgelbe sandige Strände - fast menschenleer, trotz strahlender Sonne an ewig windigen Tagen. Wunderschöne Buchten mit felsigen Perlen reihten sich an der Ostküste. Der salzige Geruch des lebendigsten Ozeans der Welt -so kam es mir immer vor-, frisch und doch warm, invigurating, lag auf Haut und Haaren, belebte die Sinne, alle Organe. Hier gab es auch Palmen - es gab südliche Wärme. Strand, Sonne und auch ein Meer. Aber jede Menge Beschallung. Ich war nach langer Zeit endlich mal wieder in den Urlaub gefahren/geflogen und habe mich diesmal nicht vom Vorstand umstimmen lassen. Ich brauchte den Urlaub, die Sonne, die Wärme. Afrika lag so lange hinter mir, aber war noch immer stark in meiner Erinnerung. Ein Sturm schien sich anzubahnen. Heiße schwere Tropfen klatschten gegen die Scheibe, Wind kam auf, also öffnete ich jetzt die Balkontür und der Wind stob wie eine Furie ins Zimmer den Schall von der anderen Seite mit sich bringend. Ich schaute hinüber - hell leuchteten Bahnen  farbigen Lichts gegen den nächtlichen Himmel und blendeten die meisten Sterne aus. Ähnliches Licht hatte ich schon mal gesehen, doch war das draußen, zwischen den Sternen. Ähnlich, ja ... aber doch ganz anders. Intensiever, strahlender, und irgendwie unirdisch. Denn es war unirdisch. Es regnete immer dichter, das ließ hoffen, daß drüben damit die Party ins buchstäbliche Wasser fallen würde. Ich grinste. Die Landschaft konnte die Nässe gebrauchen.  Diese Nacht würde endlich die ersehnte Ruhe bringen. Einmal eine Nacht, in der es mir nicht leid tun würde, das kleine Appartment gekauft zu haben. Doch hatte ich es hauptsächlich für meine Mutter getan, die sich über die Hotels beklagte, die keine Hunde zuließen. Und obwohl sie mir nun vorhielt, dass sie durch meinen Hund, der ja eigentlich der Hund meines jüngstens Sohnes war, solch Ungemach auf sich nahm. Ich lächtelte in mich hinein, zugegeben, sowohl für den Hund wie für uns war es eine Erleichterung, aber letztlich hatten wir zugestimmt, damit Oma eine Aufgabe hatte und sie kümmerte sich um Cherry wie um ein kleines Kind. Der Sturm klatschte gegen die wieder geschlossene Balkontür und erinnerte mich an andere Stürme, die ich hinter mich gebracht hatte. Ahnte den Sturm, der jetzt auf mein Leben zukam. In der stickigen Hitze fröstelnd lehnte ich mich in der Schlafcouch zurück. Und der Sturm tobte, schlug die hohen Wellen gegen die Felsen, brach in Türen und Fenster, zerstörte. Zerstörte Boote und Schiffe, die ihre Besitzer höchstens einmal im Jahr sahen......                                                                                   Am nächsten Morgen wehte ein kalter Wind, der Himmel war stahlgrau. Ich lehnte mich gegen das Fenster, wusste hier eigentlich nie so recht, was ich anfangen sollte. Die nächste Tauchbasis kannte ich noch nicht, hatte auch noch keine eigene Ausrüstung und war deshalb unschlüssig. Eine Wohnung war eigentlich wie die andere, vier Wände, ein paar Fenster und Türen. Nur die Einrichtung war anders. Hier typisch mallorcinisch. Was machte man? Ich hatte einen seltsamen Traum gehabt, er hing noch nach. Unten gingen vereinzelt ein paar Menschen. Ich überlegte und starrte hinaus auf die nasse Gegend. Vor den kleinen Bungalows gegenüber tat sich auch nichts. Die Bucht konnte man nicht wirklich sehen, aber ich hatte  auch keine Lust runterzugehen um zu sehen, wie es nach dem Sturm war. Ich zog mir die Jacke über und rannte hinunter zum Auto. Der nächste Ort war nicht weit entfernt. Er hatte einen kleinen  Hafen mit einer Promenade und ein paar typisch mallorcinischen Lokalen in denen der unerfahrene Tourist mit teureren und langweiligen Touristenmenüs eingefangen wurde, die sich kaum von dem unterschieden, was man aus der Heimat kannte. Wer schon länger da war, wusste, dass man besser aß, wenn man die Tagesmenüs bestellte, die auch die Einheimischen bestellten. Meist ein frisch gekochtes 3Gänge-Menü, das einschliesslich Getränken an den langen Tischen serviert wurde, es war darüber hinaus entschieden preisgünstiger und besser.
26.01.2011
sigi
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LOGBUCH ISIS  1994 Hazardous Start Eine Deutsch-Niederlaendische Initiative unter kosmischer Fuehrung ca. 1994 bis 1995, Rakete ging dann ab in Dez.1997, als der Kahn an Land stand, doch scheinbar lahm, wenn verglichen mit kosmischen Gegebenheiten Wir hatten uns auf Malle kennengelernt, wo ich ein winziges Studio gekauft hatte, zusammen mit meiner Mutter. Fuer sie war es notwendig, da sie mit meinem Hund, der eigentlich der Hund meiner Soehne war, den sie immer mitnahm, schlecht Hotelunterkuenfte bekam. Fuer mich sollte das einfach nur ein secret retreat von allzu stressigem Arbeitsleben sein. – Und dann traf ich ueber Umwege den, dessen Weg ich in einem Traum oder einer Vision aus der Vogelperspektive gesehen hatte, so genau wusste ich das damals nicht zu beurteilen.  Auch war mir erst spaeter klar und zwar erst dann anhand der Umrandungen, dass es sich um das Mittelmeer gehandelt hatte, an dessen Gestaden ein Krieg entbrannt war, was den Mann meiner Destination zur Umkehr zwang.  Wenn ich dran denke, schuettelt es mich noch, denn unweigerlich sehe ich dann noch jene Gestalt vor mir, die fuenf Jahre zuvor dieses Ereignis eines Nachts an meinem Bett sitzend ankuendigte. Die Angst hatte mich gelaehmt. Ich hatte meine Faeuste unter der Bettdecke geballt und versuchte mich innerlich kreischend vor Entsetzen meiner Karatetechniken zu erinnern -immerhin war ich Blackbelt, wenn auch inoffiziell, also innerhalb des Klubs, weil ich keinen Bock gehabt hatte, mich offiziell den Pruefungen zu stellen- waehrend ich sie durch die Schlitze meiner Augenlider beobachtete. Waehrend sie mit seltsamer Stimme, scheinbar selbst in Selbstanklage versunken, erzaehlte, dass “sie einst die Macht besessen haetten”, nun aber nur Botschafter seien.  Merkwuerdig war damals auch die Darstellung:  eine Karte, auf der Wegepunkte in scheinbar waessriger Umgebung zu sehen waren.  Mir floss inzwischen der Angstschweiss aus allen moeglichen Poren waehrend ich nachsann, just wie dieses Individuum in mein Schlagzimmer gelangt war. –  Jedenfalls hatte ich einen Durchbruch zur Kuechenzeile machen wollen und suchte dafuer das richtige Werkzeug, einen Schwingschleifer. Und immer wieder liess ich mich auf ein gewisses frauliches Niveau reduzieren, was aber nur der gesellschaftlichen Erziehung zu verdanken war. Ich kaempfte dagegen schon seit fast meiner ganzen bisherigen Existenz an, instinktiv wissend, das da ein humanitaerer fauxpas involviert war, den es galt zu ueberwinden. Eine grosse existentielle Luege. Das Fazit jedoch des gesamten Weges muendet in die ueberraschende Tatsache, dass nicht etwa der physische Bau, die Renovierung und Umgestaltung des Schiffes, das ein Symbol fuer die Welt ist, im Vordergrund steht oder stand, sondern von Anfang an die notwendige Renovierung des Geschehens dieser Welt und zwar NICHT gemaess den politischen und wirtschaftlichen Kraeften und Umstaenden dieser Zeit, sondern im Bruch damit, denn diese entstammten negativen Kraeften– so nicht, wurde mir oefter bedeutet – werden sich arge Zeiten auftun. Darueber und ueber mehr davon ist hier zu erfahren. Ich sann oft darueber nach, spaeter, denn das hiess ja nichts anderes, als das die Menschheit es immer in der Hand hatte, wie sie sich moralisch-geistig etablierte. Im Laufe der Jahre zeigte man mir, wie der Luege verfallen diese Welt in allen ihren Winkeln war. Nun hatten wir das alles schon durch Marx und andere angedacht, doch auch dessen "Ideen" wurden immer wieder nur auf die typisch menschlich/maennliche Weisekorrumpiert. An einer bestimmten Stelle ging ein Erwachen vor sich und damit Erkennen.   Und so setzt sich die Offenbarung um.

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die Zeit ist vergangen, der Erhalt, die Modernisierung des Schiffes hält uns immer noch in Atem; ein Weg durch viele Klippen und Unwegsamheiten, ja sogar Wegelagereien.